Erbpacht — oder Erbbaurecht — bedeutet: Du kaufst das Haus, nicht das Grundstück. Das Grundstück gehört weiterhin dem Erbpachtgeber (oft Kirche, Gemeinde oder Stiftung), du zahlst dafür einen jährlichen Erbpachtzins. Klingt günstig — hat aber Fallstricke.

Kurz erklärt: Erbpacht = du baust/kaufst auf fremdem Boden. Laufzeit 50–99 Jahre. Jährlicher Zins: 3–5 % des Grundstückswerts. Das Grundstück steht nicht in deinem Eigentum.

Wie funktioniert Erbpacht?

Der Erbpachtgeber räumt dir das Recht ein, auf seinem Grundstück ein Haus zu bauen oder zu kaufen. Dafür zahlst du einen jährlichen Erbpachtzins. Das Erbbaurecht wird ins Grundbuch eingetragen — mehr zur Grundbuchstruktur in unserem Ratgeber Grundbuch erklärt.

Kosten der Erbpacht im Überblick

GrundstückswertErbpachtzins 4 %Monatlich
150.000 €6.000 € / Jahr500 €
250.000 €10.000 € / Jahr833 €
400.000 €16.000 € / Jahr1.333 €

Der Erbpachtzins wird regelmäßig an die Inflation angepasst — nach dem Lebenshaltungskostenindex. Das bedeutet: Der Zins kann in 20 Jahren deutlich höher sein als heute.

Grunderwerbsteuer bei Erbpacht

Auch beim Erbbaurechtsvertrag fällt Grunderwerbsteuer an — auf den Wert des Erbbaurechts (nicht des Grundstücks). Die genaue Berechnung macht unser Grunderwerbsteuer-Rechner. Mehr zu bundeslandspezifischen Sätzen findest du in den Bundesland-Seiten.

Wann lohnt sich Erbpacht?

  • Wenn der Kaufpreis deutlich unter vergleichbaren Objekten mit Eigentumsgrundstück liegt
  • Wenn die Lage attraktiv, aber Grundstücke teuer sind (z. B. München, Hamburg)
  • Wenn Restlaufzeit noch 40+ Jahre: genug Zeit für Amortisation und Weiterverkauf
Vorsicht bei:
  • Restlaufzeiten unter 30 Jahren — Banken finanzieren oft nicht
  • Heimfallanspruch: Der Erbpachtgeber kann bei Vertragsende das Gebäude zu Entschädigungsregeln übernehmen
  • Wertsteigerung fließt beim Verkauf teils an Erbpachtgeber

Erbpacht und Finanzierung

Banken finanzieren Erbpachtobjekte — aber mit Aufschlag auf den Zinssatz und strengeren LTV-Anforderungen. Plane mehr Eigenkapital ein. Die Grundlagen der Baufinanzierung haben wir in Baufinanzierung Grundlagen erklärt.

Fazit: Erbpacht ist keine schlechte Option — wenn der Preis stimmt, die Restlaufzeit lang ist und du die Dauerzahlung einkalkulierst. Lass dir den Erbpachtvertrag immer von einem Anwalt prüfen, bevor du unterschreibst.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Punkte: Lage und Infrastruktur, Gebäudezustand (Feuchtigkeit, Heizung, Dach), Grundbuch auf Lasten prüfen, Grunderwerbsteuer je Bundesland einplanen, realistische Finanzierung mit ausreichend Eigenkapital und Puffer für Unvorhergesehenes.
Mindestens die Nebenkosten (ca. 10–13 % des Kaufpreises) sollten aus Eigenkapital kommen. Besser sind 20 % des Kaufpreises plus Nebenkosten. Bei 350.000 € Kaufpreis also ca. 105.000–150.000 €. Wer mehr Eigenkapital mitbringt, bekommt günstigere Zinsen.
Kaufpreis + Grunderwerbsteuer (3,5–6,5 %) + Notar (1,0–1,5 %) + Grundbuch (0,3–0,5 %) + ggf. Makler (bis 3,57 %) + Gutachter (500–1.500 €) + Renovierung (0–30 % je Zustand) + Umzug (1.500–5.000 €). Plane realistisch 15–25 % auf den Kaufpreis oben drauf.
Ja. Viele Häuser werden direkt vom Eigentümer angeboten (ImmoScout, Immowelt, eBay Kleinanzeigen, lokale Portale). Das spart die Maklerprovision (bis 3,57 % des Kaufpreises). Du übernimmst dann aber alle Koordination selbst: Besichtigung, Prüfung, Notartermin.