Haus geerbt — Die wichtigsten Schritte und Entscheidungen
15.06.2026
7 Min. Lesezeit
Ein geerbtes Haus bringt Chancen und Pflichten — und oft wenig Zeit für ruhiges Nachdenken. Die ersten Wochen nach dem Erbfall sind aber entscheidend für die richtigen Weichenstellungen.
Wichtigste Fristen
6 Wochen: Frist für Erbausschlagung (ab Kenntnis vom Erbfall)
3 Monate: Anzeigepflicht beim Finanzamt
10 Jahre: Steuerfreiheit bei Selbstnutzung des Familienheims
Annehmen oder ausschlagen?
Zuerst klären: Ist das Erbe positiv? Ein geerbtes Haus kann mit Schulden (Grundschuld, Kredit) belastet sein. Übersteigen Schulden + Wert die Immobilie, besser ausschlagen. Die Frist: 6 Wochen ab Kenntnis vom Erbfall. Ausschlagen geht nur vollständig — du kannst nicht "Haus ja, Schulden nein".
Erbschein und Grundbuch
Für die Grundbuchumschreibung brauchst du entweder einen Erbschein (vom Nachlassgericht, Kosten ca. 0,5% des Nachlasswerts) oder ein notarielles Testament. Gute Notare helfen dir dabei. Die Umschreibung sollte zeitnah erfolgen — im Grundbuch steht noch der Verstorbene als Eigentümer, bis du es umschreiben lässt.
Erbschaftsteuer — Freibeträge nutzen
Beziehung
Freibetrag
Steuersatz (Überhang)
Ehepartner
500.000 €
7–30%
Kinder
400.000 €
7–30%
Enkel
200.000 €
7–30%
Geschwister
20.000 €
15–43%
Selbstgenutztes Familienheim → steuerbefreit wenn du 10 Jahre selbst einziehst (§ 13 ErbStG).
Behalten, vermieten oder verkaufen?
Selbst einziehen: Steuervorteil, Mietersparnis, emotionaler Wert
Verkaufen: Liquidität — aber Spekulationssteuer prüfen (10-Jahres-Frist)
Tipp bei Erbengemeinschaft: Mehrere Erben = Handlungsbedarf. Jeder Miterbe kann Auseinandersetzung verlangen (Teilungsversteigerung droht). Klare Einigung und ggf. Mediator sind günstiger als ein Gerichtsverfahren.
Die wichtigsten Punkte: Lage und Infrastruktur, Gebäudezustand (Feuchtigkeit, Heizung, Dach), Grundbuch auf Lasten prüfen, Grunderwerbsteuer je Bundesland einplanen, realistische Finanzierung mit ausreichend Eigenkapital und Puffer für Unvorhergesehenes.
Mindestens die Nebenkosten (ca. 10–13 % des Kaufpreises) sollten aus Eigenkapital kommen. Besser sind 20 % des Kaufpreises plus Nebenkosten. Bei 350.000 € Kaufpreis also ca. 105.000–150.000 €. Wer mehr Eigenkapital mitbringt, bekommt günstigere Zinsen.
Ja. Viele Häuser werden direkt vom Eigentümer angeboten (ImmoScout, Immowelt, eBay Kleinanzeigen, lokale Portale). Das spart die Maklerprovision (bis 3,57 % des Kaufpreises). Du übernimmst dann aber alle Koordination selbst: Besichtigung, Prüfung, Notartermin.